«Das Über-Jetzt»

Eine Ausstellung, die Geschichte schreibt: In Düsseldorf zeigt die Julia Stoschek Collection, wie sich Videokunst neu erleben lässt.

Von  Thomas Oberender

Um Videokunst zu sehen, muss man im Museum schwere Vorhänge zur Seite schieben und in dunkle Räume schlüpfen. Wenn man Glück hat, fängt der Film gerade an, meistens aber kommt man zu spät und hat keine Ahnung, wie lange er noch dauert. Mag der Künstler seine Geschichte noch so subtil geplant haben, in Museen und Ausstellungen lässt sich das Publikum nur ungern so stillstellen wie im Theater oder Kino.

Seit zehn Jahren sammelt Julia Stoschek diese Kunstform, kunstgeschichtlich betrachtet kaum länger als ein Wimpernschlag, mediengeschichtlich aber eine Periode voller Wandlungen. Während Sammeln eigentlich bedeutet, dem Vergehen der Zeit etwas Bleibendes abzuringen, bedeutet Medienkunst zu sammeln, ständig vom Verschwinden der Hardware und industriellen Standards bedroht zu sein - als würde man Schneebälle sammeln. Und so ist das Bemerkenswerte an der Geschichte der Julia Stoschek Collection nicht nur, dass sie in sehr kurzer Zeit zur vielleicht interessantestem Sammlung zeitbasierter Medienkunst geworden ist, sie verhindert auch, dass mit dem Dahinschmelzen einstiger Medientechniken zugleich auch die Werke verwinden.