«Immersion» (Ausstellungen, Aufführungen, Diskurs 2016-2020)

«Go in instead of look at» – dieser Gedanke von Allan Kaprow ist Leitmotiv der mehrjährigen Programmreihe Immersion. Seit 2016 präsentieren wir darin wegweisende künstlerische Positionen, die das klassisch gewordene Schema der Gegenüberstellung von Werk und Besucher*in, Bühne und Saal, Objekt und Betrachter*in auflösen. Die Verzeitlichung des Ausstellungsformats prägte fünf große Schauen im Gropius Bau, die eigens für die Programmreihe entstanden sind. «Down to Earth» bildet das sechste und letzte Ausstellungsprojekt und erweitert den Verständnisraum des Begriffs «Immersion» in den planetarisch ökologischen Bereich. Neben diesen Ausstellungen realisierte die Programmreihe drei Theaterproduktionen, die diese zeitbasierte Kunstform stark verräumlicht haben - als eine Erfahrung begehbarer Welten, deren Worldbuilding von der digitalen Kultur geprägt ist, obgleich sie sich in der analogen Welt realisieren. Neben diesen Arbeiten entstanden auch sechs ungewöhnliche Filmproduktionen in der Programmreihe «The new Infinity», die Planetarien für Künstler*innen des digitalen Zeitalters zugänglich macht. Die immersive Architektur der Planetarien und ihre Hochtechnologie wurde so für viele Künstler*innen zur Galerie und zum Konzertsaal der Zukunft. Neben diesen Ausstellungen, Theaterproduktionen und Filmen entstanden in Zusammenarbeit mit ARTE auch zwei ungewöhnliche VR- Filme, denen im Folgejahr eine Produktion mit holographischen Aufnahmen von David Bowie folgen soll. Mehrere Konferenz-, Diskurs- und Campusformate rundeten die Programmreihe ab und setzen als Format zugleich selber neue Akzente. Der Begriff Immersion wurde für uns im Laufe der Jahre ein erkenntnisleitender Begriff im Spannungsfeld zwischen Observanz und Befreiung, den Feedback-Technologien der digitalen Industrie und den alten Techniken der Meditation, der Einbettung, der Heilung. Die Programmreiche reagiert auf die Angst vor einer uns vermessenden und manipulierenden Umwelt und setzt andererseits auf die emanzipativen Potenziale intuitiver Wissens- und Kunstformen und emphatischer Beziehungen. Wie eine Erkenntnissonde führt das Phänomen der Immersion uns so durch viele künstlerische, gesellschaftliche und politische Entwicklungen unserer Zeit, die auch die Veränderungen und Herausforderungen innerhalb unserer klassischen Institutionen besser beschreibbar machen.