«Immersion is not a warm bath».

Das Regime der Schrift im Werk von Ed Atkins.

Von Thomas Oberender

Die horizontalen Vielfalt der von Ed Atkins bespielten Medien zwischen Performance, Literatur, Environment und Film machen ihn zu einer Ausnahmeerscheinung in der zeitgenössischen Kunstwelt. Schrift und Schreiben sind die zentrale Kategorien seiner künstlerischen Produktion, denn Atkins Arbeiten beruhen zu weiten Teilen auf Texten im tatsächlichen und erweiterten Sinne. Er ist der Autor von dichten Prosatexten, Essays und Theaterstücken, doch er «schreibt» auch das Verhalten seiner CGI-basierten Figuren, er erschafft sie und ihre Welt durch das Schreiben der Skripte mit der dafür nötigen Software. Seine Filme sind zwar nicht narrativ im Sinne des Hollywoodfilms, aber via Tastatur entstanden und an ein Skript gebunden. Geskripted sind zudem auch Atkins Ausstellungskonzepte, die stets Rauminstallationen schaffen, deren inneres Timing oft durch musikalische Kompositionen synchronisiert wird und die im Falle von Old Food bewusst vom Wandel der Tageslichtverhältnisse beeinflusst sind. So bewirkt das zeitbasierte Skript dieser Ausstellung die Verschaltung einzelner Werkelemente zu Wirkungsketten und lässt die Ausstellung in seiner Gänze als einen Organismus wirken. Schrift ist der «Quellcode» seiner Figuren und ist in seinen Filmen als gesprochener Text zu hören und zu lesen. In Atkins’ konzeptionellen Wandtexten setzt sich sein vielseitiger Umgang mit Text fort, da sie bei Old Food als integraler Teil des Kunstwerks von einem anonymen Autorenkollektiv verfasst wurden. Seine Ausstellungen machen also auf verschiedensten Ebenen eine Handhabung von Sprache erfahrbar, die einerseits – im Sound der Worte und des Sprechakts – eine unmittelbare und körperhafte Sinnlichkeit kreiert, sich in besonders in Atkins Performances aber zugleich als abstraktes Muster offenbart, ganz so, als führte die Sprache eine eigene, körperlose Existenz, die seine Figuren genauso bewohnt wie die geskriptete soiale Realität von Flughäfen, Bahnhöfen oder Massenmedien.