Wenige Herausforderungen für die Entwicklung unserer Welt sind wissenschaftlich so anerkannt und global relevant wie die sich abzeichnende Klimakrise. Trotz der öffentlichen Einsicht in die Notwendigkeit einer klimapolitischen Wende zeigen die Statistiken steigende CO2-Emissionen und Rodungen. Da auf die Erkenntnis kein Verhaltenswechsel zu folgen scheint, müssen wir unsere eigenen Betriebssysteme grundsätzlich erneuern. Aber wie geht das praktisch? Wie fühlt es sich an, wenn wir die Festival- und Ausstellungspraxis selbst unter die Prämissen von Latours Buch stellen? Wie bündeln wir konstruktive Kräfte unterschiedlichster Akteur*innen? Wo können wir landen? 

«Wo können wir landen?» ist die wörtliche Übersetzung des 2018 erschienenen Essays des französischen Autors Bruno Latour, der auf Englisch unter dem Titel «Down to Earth» veröffentlicht wurde. Angetrieben von dem Wunsch, angesichts der Klimakatastrophe politisch wirksam zu werden, unternimmt dieses Manifest den Versuch, unser Denken neu zu kalibrieren und zugleich Handlungsanleitungen zu geben, indem es versucht, unsere politischen Leidenschaften auf neue Gegenstände auszurichten. Daher beschreibt Latour die Idee des «dritten Attraktors», der uns hilft, den Widerstreit zwischen traditionellem Regionalismus und liberalem Kosmopolitismus zu überwinden und die ökologischen Bedingungen unserer Existenz einzubeziehen. Was immer auf der Erde geschieht, ist nach Latour ein Prozess vieler Akteure, menschlicher und nicht-menschlicher, die gleiche Rechte besitzen und sich wechselseitig beeinflussen, beginnlos und ohne Zentrale.